Andrate, Geschichte u. Natur

Die Gemeinde fällt einen Beschluss: Weil die physischen, geomorphologischen und landschaftlichen Eigenschaften sowie die instandgesetzten Wege sich ganz besonders für Nordic Walking eignen, hat die Kommunalverwaltung beschlossen, den Andrate Nordic Walking Park zu gründen, in den sämtliche Wege, Saumpfade, Karrenwege und alle zur Gemeinde gehörenden öffentlichen Straßen einbezogen sind, und zwar mit dem Ziel, diese Disziplin zu fördern und somit in Italien den ersten Park dieser Art – abgesehen vom autonomen Gebiet Trentin – Südtirol, einzurichten.

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Der Andrate Nordic Walking Park gehört zum Anfiteatro Morenico di Ivrea (AMI www.ecomuseoami.it) zu deutsch, ein von Eiszeit-Moränen gestaltetes Amphitheater. Es umfasst 85 Kommunen, die sich über 600 qkm an der Mündungs – des Aosta -Tals erstrecken (die Gebiete des Canavese, Biellese und Vercellese).

Das Land des Amphitheaters entstand in der Ära des Quartär durch Erosion und Anhäufung des Balteo Gletschers, eines imposanten Gletscherflusses von ungefähr 100 km Länge und 800 m Breite, der vom Mont Blanc kam. Es handelt sich hier um eines der ausgedehntesten und besterhaltenen Moränensysteme auf der Erde und setzt sich aus homogenen landschaftlichen Einheiten wie Moränen, steinigen Hügeln und der Ebene zusammen.

Andrate ist außerdem ein Ausgangspunkt der Alta Via dell’Anfiteatro Morenico di Ivrea. Es handelt sich um ein Netz von Pfaden für naturalistisch-sportliche Ausflüge zum Biken, Wandern und Reiten und erstreckt sich über das gesamte AMI. Der Hauptweg geht von Andrate, am Fuß des Mombarone Bergs bis nach Brosso (Valchiusella) am Fuß des Monte Gregorio.

Der Andrate Nordic Walking Park bietet Strecken für alle Ansprüche, von den einfachsten und ebenen bis zu den anspruchsvollsten; er ist im wahrsten Sinne ein Sportplatz in der Natur, der es allen ermöglicht, erfahrene Nordic Walker zu werden.

Die Instandsetzung der Sentieri dei Formaggi (Käse-Pfade), die das Zentrum von Andrate mit dem Ortsteil San Giacomo verbinden, bietet ein noch völlig integres Ökosystem von seltener Schönheit. Außerdem überliefern sie die Geschichte von einem Ambiente: dort wo sich heute Wälder und Lichtungen harmonisch ineinander fügen, waren hier bis in die 60ger Jahre des vergangenen Jahrhunderts fast ausschließlich Wiesen und Almen. Es war eine gut organisierte Futter Versorgung; von Mitte Mai bis Oktober lebten hier mehr als 100 Personen und hunderte von Kühen.

Eine autarke Wirtschaft, deren Grundnahrung Milch, gebrochener Reis, Kartoffeln und vor allem Polenta waren. Kastanien und Butter wurden gegen das Maismehl der Landwirte aus der Ebene getauscht. Weil die Familien kinderreich waren, sie aber nur wenige Kühe besaßen, höchstens 2 bis 5, waren Milch und der größte Teil der Butter und Käse für den Eigenbedarf bestimmt. Darum war der Verkauf eines Mastkalbs, von dem man nur die Kutteln behielt, der größte Verdienst der Familien.

Begibt man sich auf die Käse-Pfade, dann geht man auf den in der Vergangenheit tagtäglich von den Almhirten und ihren Tieren benutzten Wegen und – sieht man genau hin – dann bemerkt man noch heute Spuren ihrer längst vergangenen Anwesenheit. Vom Casale della meridiana (das Haus mit der Sonnenuhr), ein altes wunderschön renoviertes Gebäude, vorbei an der Votivkapelle aus dem Jahr 1929, die wir auf dem grün markierten Weg antreffen (es gab viele von diesen Kapellen, jeweils von einer Familie errichtet und von einheimischen Malern dekoriert) bis zu den Cà veje (die alten Häuser). Hier ist die erste aus dem 17. Jahrhundert stammende Siedlung, während die anderen aus den Jahren 1880 – 1885 sind. Vom Vernej lungh, eine lange feuchte Schlucht, das Reich der Erlen (verne) und der „ajucche“ – hier steht am Wegrand das auf einen Stein eingemeißelte Datum 1783 – bis hin zur Malga di balarin (die Alm der Tänzer). Sie heißt so, weil ein Bach den Weg durchläuft und man darum von einem Stein zum anderen wie tänzelnd springen musste.

Es lohnt sich, auch bei einer anderen Ansiedlung mit dem Namen Baita degli Archi halt zu machen. Mit ihren drei Arkaden unterscheidet sie sich völlig von der traditionellen Berghütte; denn die hatte nur eine Arkade und bestand aus Küche, Stall, Heuboden und Keller im Tuffstein (crutin), wo der Käse lagerte.

Und dann kommen wir zu den Quellen, deren Wasser für die Familien, die Tiere und zur Bewässerung der Weiden dienten: fontana della Peila, fontana dei balarin e fontana di Pian Giulietta. Und nun sind wir hier, am Pian Giulietta – angeblich der Name einer unglücklichen Liebe eines Almhirten – und an der Farn-Mulde (bura del feji), eine Weide, wo man die Schafe immer versammelte.

Und nun geht es zur Balma picà, bekannt als die Grotta delle masche oder Grotta delle streghe (die Hexengrotte); über in den Stein gehauene Stufen fanden die Hirten hier bei Gewitter Zuflucht. Die Legende erzählt, dass sich hier die Hexen trafen und während sie dampfende Polenta verzehrten, heckten sie ihre teuflischen Pläne aus. In der Nähe ist dann das Kliff von Caslej, ausgerüstet als Klettermauer für alle, die sich im Klettern versuchen wollen. Und dann endlich die Peila, und daneben der ehemalige Partisanen Unterschlupf. Hier oben werden wir mit dem einzigartigen Blick auf die Westalpen und die Ebene des Canavese Landes für unseren anstrengenden Aufstieg belohnt.

Bei dem Kirchlein San Giacomo (1880) befindet sich unter schattigen Bäumen ein großzügig angelegter Picknick Platz. Vom Ortsteil San Giacomo mit seinem Gebirgswald aus Ahorn, Buchen, Eschen, Erlen und Birken geht es über einen Weg hinauf zu einer intakten alpinen Umgebung mit einem wunderbaren Blick bis weit über 120 km hin zu den Seealpen und die Alpe Cozie mit dem Monviso, und so gelangt man dann über einen alpinen Pfad zu der Colma di Mombarone auf der Südseite bis zum Gipfel in einer Höhe von 2371 m.

Am Bach Viona entlang geht es hinauf, vorbei an einem verlassenem Quarzbergwerk über weite Almen und vorbei am wunderschönen See Pasci auf 2119 m Höhe. Nach dem Colle della Bocchetta (2186 m) gelangt man zur Berghütte Mombarone und ein Stück weiter zum Erlöserdenkmal und zum Gipfel. Die Colma ist einer von drei Bergrücken; im Westen befinden sich der Monte La Torretta (2179 m), der Monte Cavalpiccolo (2190 m) und der Monte Cavalgrosso (2227m); im Osten der Bric Paglie (1859 m) und im Norden der Gipfel Tre Vescovi (2347 m).

Auf dem orange ausgezeichneten Pfad gehen wir zurück nach unten und können dabei den kristallklaren Wildbach Viona bewundern; er ist für seine Forellen mit einem ganz besonders feinen Geschmack bekannt Ein Stückchen weiter dann die alte Brücke Ponte Raisach, in den vorigen Jahrhunderten der einzige Zugang zum Gebiet von Biella. Einen Besuch wert ist auch die Wallfahrtskirche Santa Maria mit ihrem herrlichen romanischen Kirchturm, 1714 erbaut auf den teilweise noch sichtbaren Ruinen einer antiken Kirche. Zurück im Ort, kommen wir vorbei an der alten Schmiede und der Kapelle von San Rocco, 1686 erbaut. Sie zeichnet sich durch ihre elegante Architektur aus. Auf dem Hauptaltar der Pfarrkirche San Pietro in Vincoli (1717) befindet sich ein bemerkenswertes Gemälde von Augero da Verolengo aus dem Jahr 1843; nicht übersehen sollten wir die Inschrift auf der Mauer des linken Chors, die an den berühmten Astronom Padre Giovambattista Beccaria erinnert. Er stellte 1762 in Andrate wichtige Beobachtungen an. Der schöne freistehende Kirchturm (1835) beherrscht die Altstadt.

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